Das Hamlet-Syndrom (AT) 2020/ 2021

Regie: Elwira Niewra & Piotr Rosolowski | Dokumentarfilm | 90min

Eine junge ukrainische Theaterregisseurin nimmt uns mit auf eine dokumentarische Reise : sie begibt sich auf die Suche nach dem modernen Hamlet. Ihre Theaterinszenierung ist der Ausgangspunkt für das pulsierende Porträt einer jungen ukrainischen Generation, die durch den Krieg und den politischen Umbruch im Land gekennzeichnet ist und trotz aller Widrigkeiten ihr Land verändern will.

Kinder einer Revolution, naive Rebellen, Träumer, die brutal aus dem Schlaf gerissen wurden“, so bezeichnet die junge ukrainische Theaterregisseurin Roza Sarkisian ihre Altersgenossen. Sie plant ein dokumentarisches Stück, das die „zeitgenössischen ukrainischen Hamlets“ porträtiert. Sarkisians Versuch, die persönlichen Schicksale mit einem Shakespeare-Klassiker zu verbinden, wird zum Ausgangspunkt eines Dokumentarfilms über die junge ukrainische Generation, die mit der Maidan-Revolution ihr Land in Aufruhr versetzte und wenig später auf die albtraumhafte Erfahrung von Gewalt und Tod reagieren musste.

Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um sogenannte „Helden der Revolution“. Auf der Theaterbühne treffen junge Menschen aufeinander, die sehr unterschiedliche politische und soziale Ansichten vertreten. Nicht jeder hat die „Revolution der Würde“ unterstützt und sehr viele von ihnen sind heute von den kaum spürbaren Entwicklungen des Landes enttäuscht. Was jedoch alle vereint, unabhängig davon, welche Werte sie repräsentieren, ist die Tatsache, dass sie in den letzen Jahren Erfahrungen machen mussten, die ihr Leben tiefgreifend verändert und ihre Psyche belastet haben. So wird die Theaterbühne zu einem neutralen Ort der Begegnung und der kollektiven Abrechnung einer vom Umbruch gekennzeichneten Generation.

Für sie alle ist die Bühne eine Tribüne, von der aus sie ihre Klagen und Probleme herausschreien können. Für alle von ihnen stellt Hamlets Frage nach dem „Sein oder Nichtsein“ ein existenzielles Dilemma ohne eindeutige Antwort dar.

So entsteht das filmische Porträt einer jungen, lebendigen Generation, die mit ihrem eigenen Leben aufzuräumen versucht und dabei mit traumatischen Erlebnissen fertig werden muss. Sowohl die Vorbereitung des Stückes als auch die intensive Erkundung des Lebens der Protagonisten bilden die dramaturgische Achse des Films, in der dokumentarische Beobachtung und Bühneninszenierung verknüpft werden. All das in einem Land, das nach vielen Fehlgeburten noch lange nicht geboren zu sein scheint.

Buch:

Elwira Niewra

Kamera:

Piotr Rosolowski

Produzent:

Belapolis

Co-Produzent:

Neue Celluloid Fabrik

Förderungen:

Deutsch-Polnischer Filmfond, Filmfond Polen